Friday, November 25, 2005

Frage 4, Émile Durkheim

Der Name Émile Durkheim dominiert bis heute die Französische Anthropologie und Soziologie. Seine Theorie des sozialen Determinismus hat noch immer Einfluss in Frankreich.
Émile Durkheim wurde 1858 als Sohn eines Rabbiners in Épinal in der ostfranzösischen Region Lorraine geboren [1] vgl.
Sein Vater war seit 1830 Rabbiner in Épinal. Auch Durkheims Großvater und Urgroßvater waren Rabbiner. Auch für Durkheim war es vorgesehen, Rabbiner zu werden und er verbrachte einen Teil seiner frühen Erziehung in einer Rabbiner Schule [2]vgl.
In seiner Jugend wandte er sich vom jüdischen Glauben ab obwohl seine Kommentatoren den Einfluss von jüdischen Gedanken auf sein Denken entdeckten. In Paris genießt er eine höhere Erziehung [1] vgl.
Er beginnt ein Philosophiestudium an der École Normale Supérieure in Paris. Dort nähert er sich durch die Freundschaft mit Jean Jaurès dem Sozialismus [3] vgl.
Danach unterrichtet er an einer Reihe von Lycées bevor er für ein Jahr nach Deutschland geht.
Von 1887 bis 1902 unterrichtet Durkheim Sozialwissenschaft und Pädagogik in Bordeaux dann nimmt er 1902 einen Posten in Sorbonne an. Dort bleibt er für den Rest seiner Karriere. Während der Kriegsjahre nimmt er die Position eines „Entschuldigers" für die französische Seite ein. Sein einziger Sohn André stirbt 1915 an der Ostfront. Nur zwei Jahre später stirbt Émile Durkheim in Paris an einem Schlaganfall [1] vgl.
Während seiner Zeit in Bourdeaux gründete er 1896 das Journal „Année Sociologique", welches der Hauptantrieb für die intellektuelle Entwicklung der neuen Soziologie von Durkheim wurde. Durkheim begnügte sich nicht damit nur seinen Lebensunterhalt durch das Unterrichten zu verdienen, sondern sah seine Aufgabe darin, die Soziologie als eine eigene Universitätsdisziplin zu etablieren. Trotz allem Widerstand war er in seiner Aufgabe erfolgreich und bewirkte einen tiefen Einfluss auf die Entwicklung der Soziologie und Anthropologie nicht nur in Frankreich [1] vgl.
Die heutige empirische Tradition in der Soziologie lässt sich herleiten von Durkheims früheren Arbeiten. Durkheim revolutionierte die gesamte Sozialwissenschaft, nicht nur in Frankreich [4] vgl.
Für Durkheim den politisch engagierten Sozialisten war die Soziologie sowohl Programm als auch Wissenschaft. Auch Durkheims Arbeit in der Erziehung sollte als ein weiterer Aspekt seines Projektes gesehen werden. Nach den Reformen von 1880 wurde Erziehung die Angelegenheit des weltlich republikanischen Staates und nicht der Kirche oder antirepublikanischen Gruppen. Durkheim sah Erziehung als einen Platz für soziale Formation des Individuums und nicht für die eigene persönliche Entwicklung des Individuums. Seinen Haupteinfluss erhielt er durch seine Vorgänger in der sozialen Theorie wie Montesquieu, Saint-Simon und Comte. Aber auch die Philosophie beeinflusste ihn. Beeinflusst durch Numa Denis Fustel de Coulange mit seinem historisch soziologischen Werk „Ancient City" und durch die Ethnologie von W. Robertson Smith, richtet sich Durkheims Aufmerksamkeit ab 1887 auf die Religion. Seine Studie über Religion ist inhaltlich höchst anthropologisch. Seine früheren Bücher der 1890er Jahre „Division of Labour" (1893), „Rules" (1895) und „Suicide" (1894) sind eher soziologisch orientiert. Sein Hauptwerk oder das Werk, das seine Gedanken am besten repräsentiert ist „The Elementary Forms of Religious Life" (1912). Durkheim bricht mit dem Evolutionismus und richtet sich auf den Gegenwartsbezug. Durkheim widersetzte sich Darwin und dem britischen Evolutionismus, hatte aber auch seine eigene evolutionäre Seite. Er widersetzte sich den Intellektuellen der britischen Schule, die den Ursprung der Religion sahen in der Angst, Verwunderung, Neugier von „primitiven" Menschen in „primitiven" Bedingungen, wenn sie hilflos konfrontiert sind mit den Kräften der Natur. Religion wurde gesehen als Produkt des menschlichen Geistes und der Psychologie des Individuums. Das müsste bedeuten, alle Menschen in jeder Generation dieselben Erfahrungen machen müssten, um die Religion aufrecht zu erhalten. Durkheim geht davon aus, dass Menschen bedingt sind durch Kategorien der Religion mehr als zu ihnen beizutragen. Für Durkheim ist Religion ein Mittel der Gesellschaft, den einzelnen Mitgliedern Werte aufzuerlegen. Er sieht Religion als soziale Funktion mit spezifischen Charakteristika. Religiöse Glaubensvorstellungen und Praktiken drücken soziale Werte aus. Durkheim bezeichnet dies als „collective representations". Es passiert aber nicht zufällig, sondern es muss einen speziellen Grund dafür geben. Für Durkheim ist es das Ritual [1] vgl.
„The Elementary Forms fo the Religious Life" behandelt Religion in „frühen" Gesellschaften. Durkheim definiert also Religion und erklärt ihre soziale Basis. Religion unterscheidet zwischen „sakral" und „profan". Er meinte wohl damit, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Alltagserfahrung und dass es bei komplizierteren Erfahrungen in den Bereich der Religion geht. Er verfolgt Theorien des Ursprunges von Religion wie Tylors Animisums, Millers Naturismus und Mc Lannans Totemismus. Durkheim selbst beschäftigt sich mit Totemismus und verwendet ethnographische Literatur der Aboriginis Australiens und der Indigenen Nordamerikas. Er war "arm chair anthropologist". Seine Erklärungen sind stark funktionalistisch und bewegen sich von Glauben zu Ritual. Er argumentiert, dass im Ritual Menschen die Gesellschaft verehren als eine kosmologische Ordnung konstruiert wird über die soziale Ordnung. Das Ritual hilft die Ordnung im Geist der Teilnehmenden zu verehren [4] vgl.
Für Durkheim koordiniert Religion mit Gesellschaft, bei vorindustriellen Gesellschaften ist Religion der Faktor, der den Zusammenhalt sicherstellt. Er bezeichnet es als „mechanische Solidarität" gegenüber den Industriegesellschaften wo die Arbeitsteilung die Grundlage für Solidarität bildet „organische Solidarität" - Religion ist konstruiert und wir werden sie nicht immer brauchen („Division of Labour in Society") [1] vgl.
Heute wird das anders gesehen, wir brauchen dabei nur an den "Esotherikboom" zu denken.
Eine bis heute zitierte Arbeit ist die Studie Durkheims über den Selbstmord „Suicide" (1897). Durkheim hatte nicht nur bemerkt, dass die Suizidraten in den verschiedenen europäischen Ländern und verschiedenen religiösen Traditionen fluktuierten. Er stellte fest, dass der Akt auf verschiedene Arten klassifiziert werden konnte: als „altruistisch" aufgrund eines Übermaßes an sozialem Gefühl, als „egoistisch" aufgrund eines Mangels an sozialem Gefühl und als „anomisch" wenn die Gesellschaft darin versagt, das Individuum zu unterstützen [1] vgl.
Er untersucht das Phänomen des Selbstmordes und vergleicht wie damit in Frankreich umgegangen wird und in Ozeanien. Während Selbstmord in Frankreich als Sünde gesehen wird, wird es in Ozeanien als positiv gesehen. Es gibt einen Kontrast zu ein und demselben Thema mit vollkommen verschiedenen Vorstellungen. Im katholisch geprägten Frankreich wird man als "Sünder" nicht auf dem Friedhof begraben. In Ozeanien wird Selbstmord behandelt wie "jemanden auf die Palme bringen". Eine Person wird so beleidigt, dass sie nicht mehr anders kann und auf eine Palme klettert, um eine Rede über diejenigen zu halten, die sie in diese Lage gebracht haben. Danach stürzt sich die Person in den Tod und die Ehre ist wieder hergestellt [5] vgl.
Durkheim überlegt die eigene Gesellschaft mit, bei der Beschäftigung mit anderen Kulturen. Bis zu seiner Zeit wurde stark exotisiert. Erst Durkheim regte an zum Nachdenken über uns mit Hilfe des Blicks auf fremde Kulturen.

Literaturverzeichnis

[1] Barth, Frederik [et al.] 2005. One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology. Chicago und London. University of Chicago Press.

[2] http://www.relst.uiuc.edu/durkheim/Biography.html [19. 11. 2005]

[3] http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/DurkheimEmile/ [19. 11. 2005]

[4] Barnard, Alan 2004. History and Theory in Anthropology. Cambridge. Cambridge University Press.

[5] Gingrich, André. 4. Vorlesung 16. 11. 2005 . Einführung in die Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie.

Tuesday, November 15, 2005

Der erste Eintrag in meinem Blogger.